„Wir stehen standhaft wie ein Fels, verdammt sei der Verräter!“, so lautet das in einem Solidaritätsschreiben der ÖH-Vorsitzenden an der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt und ihres Stellvertreters verwendete Zitat Samuel Tomásiks.
Standhaft wie ein Fels stehen wir heute. „Wir“ sind nicht nur Eva Maria Dröscher und ich. „Wir“ sind auch nicht nur die Mitglieder der Plattform Unabhängiger Studierender. „Wir“ sind vor allem die vielen Studierenden, die bei keiner ÖH-Fraktion Mitglied sind, denen jedoch eine kompetente, unabhängige Studierendenvertretung am Herzen liegt. Über 270 von ihnen stehen heute standhaft wie ein Fels. Sie stehen für ihre Interessensvertretung. Sie stehen für eine ÖH, die sich nicht von außen leiten lässt, sonder die sich für ihre Mitglieder – und das sind alle Studierenden an der Uni Klagenfurt – einsetzt Sie stehen für eine ÖH, an der sich alle konstruktiv beteiligen und mitarbeiten können. Sie stehen für eine ÖH, die von keinem Rektorat, nicht von Lehrenden, nicht von der Wirtschaft und schon gar nicht von Parteien abhängig ist. Sie stehen für eine ÖH, die nur von einer einzigen Gruppe abhängig ist: von ihren Mitgliedern, den Studierenden selbst.
Dazu wurde die ÖH gegründet, dazu gibt es sie noch und dazu wird es sie hoffentlich auch in Zukunft geben. Aber nicht immer ist es so einfach. Standhaft zu sein gegen äußere Einflüsse, Egoismus und Machtgelüsten einzelner Mitglieder ist nicht einfach. Es erfordert viel Zeit und Energie. Beides ist in einem Bildungssystem mit Zugangsbeschränkungen, Studiengebühren und zuwenig Geld für Lehre, rar. Es gilt standhaft zu sein gegen ein Bildungssystem, das sich immer mehr an ökonomischen Werten orientiert. Es gilt standhaft zu sein gegenüber Einflüssen von Parteien. Dazu bedarf es einer starken ÖH und keines Zweckbündnisses, das nur dazu dient, an die Macht zu gelangen. Dazu bedarf es Akteurinnen und Akteure, denen Studienrechte, Universitätsgesetze und studentische Freiheit wichtiger sind als Parteibücher.
Über 270 dieser Akteurinnen und Akteure (externe Website) haben unterschrieben. Sie haben unterschrieben für eine parteifreie ÖH, für einen unabhängigen ÖH-Vorsitz. Sie sind aufgestanden und haben sich zu Wort gemeldet. Sie haben zum ersten Mal in der Geschichte der ÖH Klagenfurt ihr Recht auf direkte Mitbestimmung in Anspruch genommen. Sie haben sich inhaltlich mit der von ihnen gewählten Vertretung auseinandergesetzt. Solange es diese Leute gibt, lohnt es sich dafür zu arbeiten. Diese Unterschriften haben einen hohen symbolischen Wert, der ihnen nicht mehr genommen werden kann. Auch wenn ihr Antrag von einer knappen Mehrheit der Mandatare mit 5:4 niedergestimmt wurde. Diese Unterschriften sind ein Symbol für Zivilcourage und gegen Gleichgültigkeit, für politisches Interesse und gegen Apathie, für das Einbeziehen vieler Meinungen und gegen das „Drüberfahren“ einiger weniger aus machtpolitischen Interessen. In so einer ÖH möchte ich Mitglied sein.
Ich möchte Mitglied in einer ÖH sein, in der reger Gedankenaustausch herrscht, in der man über Studienrechte und Studienbedingungen, Gleichberechtigung und Gender-Thematiken, Bildungs- und Gesellschaftspolitik, und über die Zukunft reden kann. Ich bin Teil einer solchen ÖH. Ein Jahr lang durfte ich ihr vorstehen und sie repräsentieren. Ich durfte viele neue Freundinnen und Freunde gewinnen und meine Horizont stetig erweiteren. Dieses Jahr zählt zu den Besten meines Lebens. Heute verlasse ich den ÖH-Vorsitz. Wehmütig und mit vielen Erinnerungen. Ich verlasse ihn nicht freiwillig, aber mit Stolz und mit Zuversicht. Die Zuversicht rührt nicht aus dem neuen Vorsitz. Sie rührt vielmehr aus den vielen engagierten Mitgliedern der ÖH: den Studierenden, die Courage zeigen. Die ÖH wird im kommenden Studienjahr leider nicht parteifrei sein. Aber wenn sich so viele Studierende für eine unabhängige Vertretung engagieren, wird sie es bald wieder werden. Wenn die Studierenden unserer Uni im Mai 2009 deutlicher als je zuvor für eine unabhängige statt eine parteipolitisch dominierte Vertretung stimmen, dann bin ich zuversichtlich, dass es gelingen wird. Dass es uns allen gemeinsam nächstes Jahr gelingen wird, die Klagenfurter ÖH aus den Fängen der Parteipolitik zu befreien und wieder ihren Mitgliedern – den Studierenden unserer Uni – zurückzugeben.
Heute steht fest: es lohnt sich, sich dafür zu engagieren. Unsere Interessensvertretung ist es wert.