„Ich weiche der Parteipolitik“ hat vor wenigen Tagen ein von mir hochgeschätzter Mensch gesagt. Dasselbe muss heute auch ich sagen.
Ich muss der Parteipolitik weichen, weil einige Menschen behaupten, ich hätte in den vergangenen Monaten nicht genug getan, ich hätte blockiert und wäre destruktiv gewesen. Alle, die mich kennen, und auch alle, die Daniel kennen, wissen, dass diese Anschuldigungen haltlos sind. Wir haben im Vorsitz in einem Jahr viel bewegt, wie etwa bessere Busverbindung, günstigere Bustickets, bessere Vertretung bei studienrechtlichen Problemen. Wir haben für die Studierenden viel herausgeholt, wir haben Aktionen und Veranstaltungen geplant, wir haben Projekte initiiert. Und dafür mussten wir hart arbeiten. Wir haben unser Studium vernachlässigt, unsere Freunde, unsere Familien. Wir haben die ÖH stets vorangestellt. Wir haben oft mehr für die ÖH gearbeitet als für unser Studium. Wir haben uns von niemandem in falsche Richtungen beeinflussen lassen. Wir waren stets kritisch dem Rektorat, der Politik, der Wirtschaft und den Lehrenden gegenüber. Wir haben uns immer auf die Seite der Studierenden geschlagen. Wir haben unsere eigenen ÖH-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter unterstützt und sie in ihren Vorhaben bestärkt.
Es war eine sehr anstrengende Zeit. Die berühmten drei Worte „Blood, sweat and tears“ haben wir in die ÖH investiert. Und wir haben es gern gemacht. Wir wussten, worauf wir uns einlassen und wir haben unsere Arbeit trotzdem gern gemacht. Wir wissen, auf uns wartet kein Posten in einer Parteizentrale, kein Gemeinderatsmandat oder sonst eine Belohnung. Wir haben es aus einer inneren Motivation heraus gemacht. Wir wollten – und wollen es auch jetzt noch – etwas für die Studierenden erreichen. Denn den Studierenden, und NUR den Studierenden sind wir verpflichtet.
Und jetzt weichen wir der Parteipolitik. Einmal mehr wird die Unabhängigkeit aus der ÖH verdrängt. Einmal mehr werden Menschen aus dem Vorsitz verdrängt, nicht weil sie nicht gut gearbeitet haben, sondern weil sie die falsche – in dem Fall keine – politische Farbe haben. Es ist ein trauriges Schauspiel und wir sind heute auf der Seite der Unterlegenen.
Aber wir sind nicht allein. Über 270 Menschen haben gegen die Abwahl (externe Website) – und somit FÜR uns und für die Unabhängigkeit unserer ÖH – unterschrieben.
Ich möchte mich bei all diesen Menschen bedanken. Es ist mir eine große Ehre, dass so viele Studierende hinter mir und Daniel stehen. Es gibt mir das Gefühl, dass es nicht umsonst war, was ich getan habe, dass meine Arbeit nicht nur gesehen, sondern auch gewürdigt wird. Eine solche beispiellose Aktion ist nicht selbstverständlich und ich bin sehr stolz auf unsere ÖH-Mitarbeiterinnen und –Mitarbeiter, auf Daniel und nicht zuletzt auch auf mich, denn offensichtlich sind mindestens 270 Menschen davon überzeugt, dass die ÖH im vergangenen Jahr gut gearbeitet hat. Ich bedanke mich herzlich für die Unterschriften und die unglaubliche Unterstützung in den vergangenen Wochen.
Das erste Mal in der Geschichte der ÖH Klagenfurt haben die Studierenden in einer Sitzung der Universitätsvertretung einen solchen Antrag eingebracht. Sie haben es gemacht, um auf eine große Ungerechtigkeit hinzuweisen und sie haben ihr bestes versucht, dass es nicht zu dieser Ungerechtigkeit kommt. Darunter waren auch Menschen, die uns nicht einmal persönlich kennen. Menschen, die sich für die ÖH interessieren haben zum Ausdruck gebracht, dass Parteipolitik in einer Interessensvertretung und auf der Uni nichts verloren hat.
Und daher versichere ich euch: Wir werden nicht weichen! Nicht der Parteipolitik und nicht Möchtegern-Politikerinnen und -Politikern! Auch wenn Daniel und ich heute abgewählt wurden, wir beide und hinter uns die Plattform Unabhängiger Studierender und über 270 weitere Studierende, wir werden nicht aufgeben! Wir werden weiterhin für Unabhängigkeit und gegen den Einfluss der Parteipolitik arbeiten. Denn dafür wurden wir gewählt und das kann uns niemand nehmen.