Du bist schuld am schlechten Fernsehen!
Einfach mal abschalten – der Weg zum besseren Fernsehen?
Nein, nicht wirklich du. Eher die Gesamtheit der Fernsehseherinnen und -seher. Wieso? Das erfährst du in diesem Artikel.
Das Problem mit dem »schlechten Fernsehen« ist, dass die Möglichkeit zur kritischen Anteilnahme der Bürgerinnen und Bürger bei der Entwicklung der ersten Sendeanstalten zu totalitären Medienhäusern verloren gegangen ist oder vergessen wurde. Der »Leserbrief« oder die kritische E-Mail als Relikte eines aufmerksamen Zuschauers haben keinen Platz mehr im minutengenauen Kalkül der Programmdirektorinnen und -direktoren. Und dies zeigt das Dilemma der heutigen Fernsehproduktionen: Seitdem die Unterhaltungsindustrie proaktiv geworden ist und Erwartungen der Menschen bevor sie eintreffen schon auf die glänzende Fläche im Wohnzimmer projiziert, ist das Publikum ins Hintertreffen geraten: Es werden Welten und Dinge konstruiert und »begehrt« gemacht, Wünsche werden von Werbedesignerinnen und -designern ausgetüftelt, Programmdirektorinnen und -direktoren geben uns die gewohnt-gewünschte Dosis Scham, Trauer, Empathie, Glückseligkeit. Wie sollen wir denn in all dem Trouble noch unsere wahren Wünsche erkennen? Und was, wenn diese schon erfüllt sind?