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Social Networking und produktives Arbeiten – für viele eine unmögliche Kombination. Doch was, wenn beides Hand in Hand geht?
Social Media sind für die meisten Unternehmen Neuland: Sie sind gewöhnt monologisch per Presseaussendung mit Journalisten zu kommunizieren und Themen zu setzen. Aber durch die gesenkten Barrieren zum Publizieren von Texten kann mittlerweile jeder Meinung machen: Blogs und Twitter verändern die Öffentlichkeit, machen sie zu einer eher dialogischen Landschaft, in der Feedback, Partizipation und Kritik neue Bedeutung erlangen. Berater im Social Media Bereich steuern diese Prozesse, öffnen Unternehmen für die neuen Rahmenbedingungen und erstellen Konzepte, wie am besten mit den Zielgruppen interagiert werden kann. Ein wachsendes Berufsfeld, welches eine Passion für Kommunikation und die Verständnis der Dynamiken der usergenerierten Medien voraussetzt. Was folgt, ist ein Einblick in die professionelle Welt hinter dem usergenerierten Content.
„Hast du die nächsten Tage Zeit?“ fragt mich die Stimme am anderen Ende der Skype-Verbindung. Ich bejahe – neben den paar Lehrveranstaltungen lässt sich locker noch ein wenig Produktivität für die 400 Kilometer entfernte Agentur unterbringen. „So 40–50 Stunden?“ – ich freue mich, endlich mal wieder was Größeres, kein einzelner Blogbeitrag. „Wie sieht‘s bis Sonntag aus?“. Ich schaue auf den Kalender – es ist Donnerstag morgen. Ich beisse die Zähne zusammen und verabschiede mich mental vom Wochenende. „Neukunde – das volle Programm. Evaluation, Facebook, Blog, Twitter, Strategie. Du bist unser Mann für Facebook.“ Wir besprechen die Details, ich gehe an die Arbeit.
Ich lote das Feld aus – selten musste ich in einem so konservativen Bereich konzeptionieren. „Sehen wir, was wir da rausholen können“ flüstere ich mir zu – und schaue mir erstmal die Aktivitäten der Wettbewerber an. Wenige Blogs, kaum Twitter-Accounts, nichts auf Facebook – und wenn, dann ohne Moderation und Mehrwert. Fruchtbarer Boden, der die Messlatte aber nicht sinken lässt. Ich schaue mir die Website des Kunden an: PR-Sprache überall, ab und zu mal verwertbarer Content, aber großteilig das Standard-Programm – „Keine Interaktion erwünscht“ scheint es mich anzuschreien. „Viel zu tun“ denke ich, und mache Notizen zu Inhalten, die aufbereitet werden könnten. Ich erstelle eine grobe Gliederung und schreibe los: Erstmal die Grundlagen erklären – dialogisch rangehen, sich öffnen, Kritik zulassen. Leicht gesagt, schwer beschrieben, noch schwerer beim Kunden durchgesetzt. Wie immer. Es geht an die Detailplanung – wer moderiert mit welchem Ton? Was belebt die Facebook-Fanpage? Wie kriegen wir die Leute zur Interaktion, bei so einem ernsten Thema? Eines ist klar: Weg von der klinisch-sauberen Kommunikation, hin zu Passion und Emotion. Ob die das in deren Marketingabteilung durchkriegen? Egal, es ist der einzige Weg.
Sonntag Nachmittag, ich fühle mich ausgezehrt. Aber das Papier steht. Und es ist gut. Jetzt aber mal an die frische Luft. Ich ziehe die Schuhe an, höre beim rausgehen Skype klingeln. Ich drehe wieder um.