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Schon mal nachts einen Sarg durch die Uni getragen? Der Portier ärgert sich wahrscheinlich heute noch, dass er keine Kamera griffbereit hatte, denn wie oft schleppen schon zwei Studentinnen einen dunklen Sarg durch die Gänge?!
Wie auch immer, um das schwarze Monstrum für seinen großen Auftritt zu veredeln, musste es zwei Tage vor dem Neujahrsempfang der Uni erst einmal in das neue ÖH-Wohnzimmer gelangen, wo es dann schwarz lackiert und mit einem weißen Violinschlüssel versehen wurde.
Während die Farbe tagsüber trocknete, erledigten wir als Studienvertretung der AMuWi abschließende Feinarbeit an den Bannern. Nun die letzten Hürden: 1. Sargtransport ins neue Servicegebäude, so schnell wird aus einem himmelblauen Kleinwagen ein Leichenwagen. 2. Das Mozart-Requiem musste für das ganze Gebäude hörbar gemacht werden. Gut, dass in diesem Semester ein Tontechnik-Kurs angeboten wird! Hiermit wäre bewiesen, wie praxisnah unser Studium aufgebaut ist.
Mit Flöten, Trommeln, Saxophon und Dudelsack begann die Inszenierung beim Neujahrsempfang am 15. Jänner. Der publikumswirksame Auftritt des Sarges, andächtig getragen zu Klängen des Mozart-Requiems, stellte den Höhepunkt der Aufführung dar. Doch als musikalische Untermalung war diese Einlage nicht gedacht, wie auch das Publikum bald feststellen sollte. Im Gegenteil, aufgebrachte Studierende setzten so ein Zeichen für den Erhalt des noch so jungen Studiums Angewandte Musikwissenschaft. Auch wenn es MusikerInnen gewohnt sind, auf der Bühne zu stehen, einen Neujahrsempfang zu sprengen ist doch etwas anderes. Dank vieler KomilitonInnnen aus unterschiedlichen Studienrichtungen wurde die Kunstaktion ein Erfolg. Eine humorvoll gestaltete Parte, die unter den Gästen verteilt wurde, informierte über den Misstand der Angewandten Musikwissenschaft.
Die AMuWi gibt es erst seit 2007 und ist immer noch einzigartig im deutschsprachigen Raum. Mit dem neuen Studium wurde frischer Wind in Österreichs Musikwissenschaft gebracht, zudem erschloss sich in Kärnten das Feld der zeitgenössischen Musik. Die Studierenden der Angewandten Musikwissenschaft haben durch den einmaligen Aufbau des Studiums die Möglichkeit Musik aus verschiedenen Blickwinkeln erfassen und erfahren zu können. Nachdem es sich um ein Kooperationsstudium zwischen Universität und Landeskonservatorium handelt, spielt jeder Studierende mindestens ein Instrument, erhält Unterricht in Gehörbildung und Tonsatz und musiziert in Orchestern oder Ensembles am KONSE. Auch Strukturanalyse und das bei vielen nicht so beliebte Partiturspiel sind im Studium vorgesehen. Die wissenschaftlichen Fächer werden an der Uni abgehalten und ermöglichen es, fundiert mit dem Instrument und der Musik umzugehen. Um beweisen zu können, dass die Musikwissenschaft nicht verstaubt sein muss, wird bereits während des Studiums auf verschiedene Berufsfelder wie Musikmanagement, Journalismus, Tontechnik oder Musikvermittlung, um nur einige zu nennen, vorbereitet.
Durch öffentliche Konzerte und Workshops tragen die AMuWis zur Belebung des Unicampus bei. Inzwischen konnten Kooperationen mit international wichtigen Institutionen wie der „Internationalen Gesellschaft für Neue Musik“ oder dem „Internationalen Zentrum für zeitgenössische Musik“ aufgebaut werden. Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten hat sich nun die AMuWi an der Uni vollständig etabliert. Den Studierenden wird nun zugesichert, ihren Abschluss in Klagenfurt absolvieren zu dürfen, doch wer inskribiert für ein Studium, das 2013 auslaufen soll? Eine Alternative gibt es weder in Österreich noch in anderen deutschsprachigen Ländern, da nirgendwo diese Kombination aus Wissenschaft, Praxis und berufsfeldbezogenen Komponenten angeboten wird. Der Vorschlag, die AMuWi in die Angewandte Kulturwissenschaft zu integrieren anstatt sie auslaufen zu lassen, ist nicht akzeptabel. Sinnvoller wäre ein Ausbau des Instituts für Kultur-, Literatur- und Musikwissenschaft – so könnte zum Beispiel Theaterwissenschaft oder Kunstgeschichte gut in diesen Bereich eingebettet werden.
Wir hoffen sehr, durch unsere kleine Kunstaktion auf das Problem der AMuWi aufmerksam gemacht zu haben, denn wäre es nicht schade, ein so einmaliges Studium nach so kurzer Anlaufzeit wieder zu beenden?!