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»Solange ich denken kann, habe ich Hämorrhoiden.« Der erste Satz von Charlotte Roches Romandebüt »Feuchtgebiete« taucht in fast jeder Rezension auf. Muss sein. Den damit vorgegebenen Tonfall ihrer Ich-Erzählerin, die bei aller Forschheit glaubwürdig-verletzlich bleibt, behält die frühere Viva-Moderatorin Roche nämlich über die restlichen 218 Seiten bei.
Helen ist 18 und hält nicht viel vom allgemeinen Hygienewahn. Neben dem Züchten von Avocadokeimlingen ist die Verbreitung von Bakterien ihr liebstes Hobby. Dann eine missglückte Intimrasur: Als Ergebnis findet Helen sich im Krankenhaus auf der proktologischen Abteilung wieder. Ein bisschen peinlich ist ihr das vor ihren Klassenkolleginnen und -kollegen schon. Um sich über die besuchslose Langeweile hinwegzutrösten, flirtet Helen mit dem Pfleger Robin. Für den Versuch, ihre getrennt lebenden Eltern wieder zusammenzubringen, reißt sie sich buchstäblich den Arsch auf.
Scheinbar nebenbei erfahren wir einiges aus Helens Intimleben: Dass sie ihre Hämorrhoiden »Blumenkohl« nennt. Dass »mit Schokodipp« beim Analsex ein besonderer Liebesbeweis ist. Dass sie alle Details der namensgebenden »Feuchtgebiete« an Prostituierten genau studiert. Sex. Meist nicht nur nebenbei ein Thema. Ständig in Gedanken bei der Sache, stolpert die »Arschpatientin« durch ihre Reminiszenzen und den Krankenhausalltag.
Das liest sich stellenweise derb, gelegentlich sogar grauslich, und – für österreichisch sozialisierte Leserinnen und Leser womöglich das größte Problem – halt schon arg bundesdeutsch. Trotz kalkulierter Provokation (der erste Verlag lehnte das Werk als »pornographisch« ab, ein glattes Fehlurteil) und des den immanenten Aufklärungsanspruch des Buches konterkarierenden nonchalanten Umgangs mit Safer-Sex-Praktiken weiß Roche zu unterhalten: »Feuchtgebiete« ist eben auch erotisch, packend und vergnüglich bis zum Schluss.