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Bologna. Der Städtename steht für die umstrittene europaweite einheitliche Umstellung auf das Bachelor/Master-System. Über verfehlte Ziele, Chancen und Umsetzung.
Bologna – ein Begriff mit dem die meisten eine italienische Stadt und viele andere eher etwas Kulinarisches verbinden – steht für die größte Veränderung des europäischen Hochschul-Systems der letzten Jahrzehnte. Angetreten mit dem Ziel einer Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums samt vergleichbaren Studien sowie Steigerung der Mobilität von Studierenden und Qualitätsverbesserungen, kränkelt es der Reform bei der Umsetzung in vielen Bereichen.
Bologna -ein Begriff mit dem die meisten eine italienische Stadt und viele andere eher etwas Kulinarisches verbinden – steht für die größte Veränderung des europäischen Hochschul-Systems der letzten Jahrzehnte. Angetreten mit dem Ziel einer Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums samt vergleichbaren Studien sowie Steigerung der Mobilität von Studierenden und Qualitätsverbesserungen, kränkelt es der Reform bei der Umsetzung in vielen Bereichen.
Gut gemeint ist oft das Gegenteil von Gut. Überfrachtete Studienpläne, Streichung der Wahlfächer, Zeit- und Prüfungsdruck sowie Mobilitätshemmnisse bestimmen den studentischen Alltag. Heute muss man in sechs Semestern oft jenen Stoff bewältigen, für den Generationen zuvor noch acht Semester Zeit hatten. Auch das Hetzen von Prüfung zu Prüfung, kurz das, was man früher abschätzig als „Scheinesammeln“ betitelte, zählt oft zur studentischen Norm. Der mit der Reform verbundene und zunehmende Zeitdruck hemmt paradoxerweise auch die Lust auf ein Auslandssemester, obwohl doch gerade das Gegenteil mit der Reform beabsichtigt war. Der Philosoph Konrad Paul Liessmann (u.a. Wissenschaftler des Jahres 2006) spricht sogar von einen „geisttötenden Quantifizierungsfetischismus“ und beschreibt die Bologna-Reform als „starren Schematismus, der wie ein Schimmelpilz die europäischen Unis überzieht.“
An der studentischen Realität vorbeikonstruiert. Bologna geht davon aus, dass man 40 Stunden pro Woche für sein Studium aufwenden muss, um in Regelstudienzeit durchzukommen. Das Problem dabei: 62% der Studierenden sind erwerbstätig und wo soll man bitteschön die Zeit dann hernehmen. Auch die Statistik spricht nicht gerade für einen positiven Verlauf von Bologna: Der aktuelle Studierendensozialbericht zeigt, dass psychische Probleme und Depression unter den Studierenden im Zunehmen sind. Und auch die Zahl der Studienabbrecher ist von 21% auf 30% gestiegen.
Nicht alles vor Bologna war besser – vieles schon. In der vor-Bologna-Ära hatte man viel Freiheit – für manche sogar zu viel. Wer nicht genügend Selbstorganisation aufbrachte, scheiterte. Doch dafür hatte man Zeit sich kritisch zu verhalten, der Bildungsbegriff war weit gefasst und man konnte noch links oder rechts schauen. Nostalgie vs. Studieren nach „Schema F“ – die Lösung liegt in der Mitte und vor allem bei der Umsetzung.
Die Umsetzung von Bologna ist das Problem. Darüber sind sich Bologna-Befürworter und Gegner einig. Diese breite gemeinsame Erkenntnis lässt deshalb auf die große Chance einer konsequenten Nachbesserung auf allen Ebenen hoffen: vom Ministerium, über Uni-Leitung bis zu den Studienprogrammleitern. Und auch bei den Studierenden selbst. Denn sie bestimmen zu guter Letzt selbst in ihrem Handeln, ob sie die Bologna-Reform als Sprungbrett oder Korsett nutzen. Und bis es dann einmal soweit ist und das Bologna-System Europa zur geplanten bildungspolitischen Weltmacht emporhebt, muss man halt eben selbst über den Rand der Reform hinausblicken. Trotz Bologna.