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Monolith

Monolith am MK

Der Monolith am MK-Institut

Wir freuen uns über einen Gastbeitrag des Künstlers, der das Projekt rund um den Monolithen im Vorstufengebäude der Universität ins Leben gerufen hat.
Im Rahmen dieses Projektes sollte ein bestimmtes Ziel erreicht werden; Auditives sollte mit Visuellem so kombiniert werden, dass es auf einer Vernissage wirkmächtig und den auf rein visueller Ebene gestalteten Werken ebenbürtig ist.


Über die Autorin bzw. den Autor
Bild Name, Funktion und E-Mail-Adresse
Walter Poeschl
Künstler

Ein Gedicht kann zu einem Mantra werden; ein Ritual, eine Formel, welche gewisse Bilder und Emotionen in einem evoziert. Dafür aber muss man sich ganz auf das Wort einlassen, es verinnerlichen und den Fokus auf die Innenwelt richten und nicht auf die Außenwelt.
Es kann aber kein Zufall sein, dass das Gedicht heut zu Tage für Verlage an Wert verliert. Nur wenige in der Gesellschaft der Gegenwart schaffen es, den Fokus auf die Innenwelt zu richten und sich von den Reizen der Außenwelt abzukoppeln. Die Voraussetzung der temporären Abkopplung von der Außenwelt muss aber gegeben sein, damit ein Gedicht in seinen Bildern verinnerlicht werden kann.
Es war der grundsätzliche Anspruch meiner Werksidee, einen Apparat zu schaffen, der den Rezipient temporär von der Außenwelt abkoppelt. Ein schwarzer Kasten, der den Besucher kurz verschluckt; im dunklen Schlund des Kastens soll der Besucher dann mein Gedicht „Die Geburt des Beichtvaters“ vernehmen können. Wenn der Besucher sich auf den schwarzen Kasten, auf seine Erscheinung einlässt, werden bei ihm die oben angeführten Bilder evoziert. Dass diese Überlegung die erhobenen Ansprüche erfüllen kann, beweist eine Studienkollegin, die gleich mehrere Male den Kasten bzw. den Monolithen betrat, da die in ihr evozierten Bilder so intensiv waren.
Natürlich musste auch die äußere Form dem Innerem, dem Gedicht, Rechnung tragen. Wie erwähnt ist das Gedicht, so man sich in beschriebener Weise darauf einlässt, eine Formel, ein Mantra, welches in einem Bilder evoziert, Bilder von enormer Wirkmächtigkeit; das Mantra, die Formel, das Ritual ist dem Menschen heilig, denn es gibt ihm Halt.
Also musste dass Gefäß des Gedichtes in seiner Konnotation des Mantras (oder der Formel, des Rituals) auch etwas Heiliges, etwas Halt gebendes an sich haben.
Es war bald klar, dass nur die massive, ewige Form des Monolithens als Form des Gefäßes in Frage kommt. Der Monolith beschreibt einen schwarzen Fleck, etwas Abwesendes einerseits; somit kann er als eine Metapher für den Signifikanten nach Jacques Lacan gesehen werden. Andererseits ist der Monolith haltgebend anwesend und wird als abwesendes und zu gleich anwesendes zu einer Sublimation des Objekt des Begehrens im lacanianischen Sinne.
Dies wäre die theoretische Verortung zum Monolithen; wie steht es aber um das zu präsentierende Gedicht selber?
“Die Geburt des Beichtvaters“ (siehe Anhang) ist ein Gedicht, das sich thematisch mit Freuds Vatermord und dem daraus resultierenden Inzesttabu auseinandersetzt. Im Buch „Totem und Tabu“ stellt Freud seine Kulturthese dar, wonach der Kultur allererster Anfang mit dem Mord des Ur-Vaters durch die Ur-Söhne begann.

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