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Keine Erfahrung – Keine Chance
Eine große Sorge vieler Studierender ist es, nach dem Abschluss des Studiums keinen Job zu finden. Dabei kann man schon während des Studiums die Weichen für einen erfolgreichen Einsteig ins Arbeitsleben stellen. Durch die zunehmende Ökonomisierung der Studiengänge sowie die Verschulung des universitären Bildungsapparates fühlen sich viele Studierende genötigt, ihren universitären Werdegang in möglichst kurzer Zeit abzuschließen. Die berühmten Scheuklappen, die den Blick von nebensächlichen oder gar ehrenamtlichen Tätigkeiten fern halten sollen, mögen auf den ersten Blick als probates Mittel erscheinen. Sitzt man dann aber über den eigenen Bewerbungsunterlagen oder wird im Bewerbungsgespräch nach Kompetenzen im Projektmanagement oder der Führung von MitarbeiterInnen befragt, bricht die heile Welt der Fast-Food-Magister zusammen.
Ein bloßer Abschluss ist für den künftigen Arbeitgeber, besonders durch die wissenschaftliche Ausrichtung der universitären Studiengänge, oftmals nichts weiter als die Bestätigung, dass der Bewerbende auswendig lernen kann und in der Lage ist, eine wissenschaftliche Abhandlung zu verfassen. Aber reicht das, um eine Junior-Position zu bekleiden oder Trainee zu werden? Und wie schneidet man im Vergleich zu den FH-AbgängerInnen ab, die während des Studiums generell eine stärkere Praxisorientierung erfahren? Diese Fragen sollte man sich ernsthaft stellen, bevor man das persönliche Entwicklungslabor Universität verlässt und sich der kalten ökonomischen Realität stellt.
Freiwillig zum Glück
Einer der Auswege aus diesem Dilemma ist die ehrenamtliche Tätigkeit in Vereinen, die Mitarbeit an Projekten oder generell das Engagement in einem selbstgewählten Feld. Hier bietet sich besonders die ÖH an: durch die freien Wahlfächer, die man für die dortige Arbeit angerechnet bekommt, kompensiert man den Mehraufwand, den man während des Studiums hat. Dabei sind unterschiedliche Posten auch anders „vergütet“ – ein Referent oder eineReferentin oder gar Vorsitzende bekommen natürlich mehr Gegenleistung als SachbearbeiterInnen. Es gibt sogar eine kleine Aufwandsentschädigung, die aber eher zur Deckung der persönlichen Kosten, wie zum Beispiel der erhöhten Telefonrechnung, gedacht ist.
All diese Vergütungen sind jedoch nur Beibrot zu einem Lohn, den man nicht beziffern kann. Der Umgang mit Menschen, das Abhalten von Teammeetings, die Koordination von Zeit und Ressourcen – dies alles sind Fertigkeiten, die in der ÖH in einem spielerischen Umfeld erlernt werden können. Fehler werden hier noch toleriert, die Hierarchien sind flach und die Betätigungsfelder weitläufiger als es ein Top-Konzern jemals bieten könnte.
Man arbeitet als Studierender für Studierende und nicht für den Boss drei Hierarchieebenen über einem. Man trifft andere engagierte und kreative Köpfe und schließt Bünde, die ein ganzes Leben halten können. Die Arbeit in der ÖH ist nicht getrieben von Profitgier, die einzigen Motivationen, die der Tätigkeit zugrunde liegen, sind die Verbesserung der Studienbedingungen sowie das Engagement für andere. Das Gefühl, im System der Universität etwas zu bewirken und seine Stimme dauerhaft zu erheben ist die größte Gratifikation, die die ÖH bieten kann. Auch der Umgang mit Stress, begrenzten Zeitreserven und Lehrkräften, die studentische Mitbestimmung am liebsten verbieten würden, machen fit für den späteren Job und die Spannungen, die mit ihm einhergehen werden.
Soft-Skills vs. Notenschnitt
Die Arbeit in der ÖH und ebenso in jedem anderen Tätigkeitsfeld, welches Engagement weit über das reguläre Maß erfordert, stellt in den theoretisch geprägten universitären Studiengängen ein Schritt in die Realität, zur Anwendung des Gelernten, dar. Wer sich über seinen Notenschnitt Sorgen macht, hat noch nicht ganz verstanden, dass in der Wirtschaft ein aussagekräftiger Lebenslauf, der Rückschlüsse auf Softskills zulässt, oftmals sehr viel mehr hermacht, als eine 1,0 ohne jegliches Einfühlungsvermögen. Wenn dann doch derjenige ohne Qualifikationen aber mit dem besseren Schnitt genommen
wird: Dann sollte man sich überlegen, ob man wirklich für dieses Unternehmen arbeiten will. Der Verdacht liegt nahe, dass es ebenso nicht nach links und rechts schaut. Ergo: Lieber ein bis zwei Semester länger studieren und im Team wirklich etwas lernen, als allein auf der Überholspur zu fahren.