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Ein gutes Jahr ist es her, dass sich die größte Studierendenbewegung in Österreich nach den 68ern mit der Besetzung der Akademie der Bildenden Künste in Wien formierte und sich anschließend wie ein Lauffeuer zunächst über Österreich und dann über ganz Europa verbreitete. Unzählige Demonstrationen, Protestaktionen und Veranstaltungen wurden seitdem von den AktivistInnen der Uni brennt-Bewegung initiiert, eine eigene Zeitung gegründet, ein Buch heraus gebracht und eben auch ein Film gedreht. #unibrennt – Bildungsprotest 2.0
Nachdem es in den ersten Tagen der Proteste zwar ein Medienecho, aber keinerlei Reaktionen seitens der Politik auf die Besetzungen der Hörsäle Österreichischer Universitäten gab, steckten die Studierenden keineswegs den Kopf in den Sand, sondern begannen sich untereinander zu organisieren: Facebookgruppen, Twitteraccounts, Blogs, die zentrale Anlaufstelle www.unsereuni.at, sowie die berühmten Livestreams, mit denen die Plena und Demonstrationen live ins Internet übertragen wurden. Nahezu jede beteiligte Universität richtete Arbeitsgruppen ein, welche sich mit Vernetzung, der technischen Infrastruktur oder Pressearbeit befassten.
In kürzester Zeit wurde so ein europaweites Netzwerk aus dem Boden gestampft, welches seinesgleichen sucht. Nicht zuletzt deswegen erhielt “the ubiquitous unibrennt cloud“ den Ehrenpreis der Ars Electronica in der Kategorie „Digital Communities“. Und genau diesen Aspekt beleuchtet der Uni brennt-Film. Immer wieder erscheinen Tweets mit dem #unibrennt-Hashtag im Bild, Handkameras wechseln sich mit Ausschnitten des Internet-
Livestreams ab, in einer Art Pressespiegel folgt ein Zeitungsartikel auf den anderen: Die Vernetzung fand nicht nur zwischen den Universitäten, sondern auch quer durch die Medien statt. Durch die digitalen, neue Medien ebenso, wie durch die „alten“ Printmedien. Christine Fritz, einer der Köpfe der
AG Doku, welche fsich ür den Film verantwortlich zeichnet, formulierte den Grundgedanken hinter der Dokumentation wie folgt: „#unibrennt ist eine sehr mediale Bewegung. Da war es nur natürlich, das auch im „Uni brennt“ – Film zu verbildlichen“.
Ist der Film zu Beginn noch unkritisch, entwickelt er von Szene zu Szene eine eigene Meinung und wird, wie von den Filmemachern intendiert, zunehmend subjektiver. Die politische Taktik des „Aussitzens“, welche von Ex-Wissenschaftsminister Hahn verfolgt wurde, hat sicherlich eine Teilschuld an der negativen Einstellung gegenübe den Politikern, welche sich allesamt weder in besonders gutem Licht darstellen, noch in einem besonders ositiven
Licht dargestellt werden. Man muss den FilmemacherInnen aber in jedem Fall hoch anrechnen, dass sie auch die Uni brennt-Bewegung, die auch ihre eigene Bewegung ist, durchaus kritisch beleuchten. Schonungslos wird zum Ende des Filmes gezeigt, wie die Kräfte der AktivistInnen schwinden und die Nerven blank liegen, wie die Obdachlosen, welche im Wiener Audimax eine neue Heimat gefunden hatten, zum Problem werden und wie die Stimmung innerhalb der Bewegung zu kippen droht. Wenn der Film mit einer Szene endet, in der die schier unendliche Warteschlange zu den Aufnahmetest für Medizin zu sehen ist, wirft sich einem nahezu automatisch die Frage auf, was die Uni brennt-Bewegung überhaupt erreicht hat. Will man Jakob Brossmann von der AG Doku Glauben schenken, so ist dies „zumindest, dass wir heute hier sitzen und darüber diskutieren.
Dass Bildung in den Medien ist und es diesen Film überhaupt gibt“. Festzustellen bleibt in jedem Fall, dass der Film Lust auf mehr macht. Er zeigt einem, dass es Studierende gibt, welche ihre Energie aufbieten um den kommenden Generationen ein Studium zu ermöglichen, welches den Titel „Studium“ noch verdient hat. Es macht einem Hoffnung und motiviert einen für die Zukunft. Der Film fordert eine jede Zuseherin und einen jeden Zuseher auf, weiterhin aktiv zu bleiben oder aktiv zu werden. Die Uni brennt; Österreich brennt – noch immer!
DER FILM „#UNIBRENNT – BILDUNGSPROTEST 2.0“ IST SEIT DEM 29. OKTOBER IN DEN KINOS ZU SEHEN.