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Eine Ode an ein Schuhwerk.
Als wir uns trafen, warst du noch so rein, so unschuldig. Für mich war klar: Dich oder keinen! Ich berührte deine Haut, der Stoff, aus dem du gemacht bist. Sie war regelmäßig, unbeschadet, fast perfekt. Noch erinnerte kein Loch, kein Riss an deine Vergangenheit.
Dein Leben war bei Gott kein Zuckerschlecken: Als dir dein Vater Marquis Mills Converse vor knapp hundert Jahren Leben einhauchte, solltest du im kalten, bitteren Winter zum Einsatz kommen, später schulte man dich zum Sportassistenten, drängte dich in Basketballhallen aller Welt, wo du für das typischen Quietschen am Boden zu sorgen hattest. Beliebt warst du, ohne Zweifel.
Schon damals erkannte man dein großes Potential. Als Kriegsflieger den Himmel verdunkelten, damals 1942, gab es kein Entrinnen, weder für dich, noch für Deinesgleichen. Du musstest an die Front, man nannte dich »A6 Flying Boot«.
Zäh bist du geworden, was dich nicht umhaut, macht dich nur stärker. Als diese schreckliche Zeit sich dem Ende neigte und neue Generationen neue Ambitionen hegten, nahm sich deiner eine kleinere Gruppe an, setzte mit dir ein Zeichen des »Anders-Sein-Wollens«.
Aber wer kann es dir verübeln, dass auch an dir der Zahn der Zeit genagt hat? »The American Way«, der Wunsch nach einem Haus, einem Pool, einem Hund und zwei Autos – einem sicheren Leben eben. Klar, dass Auslagerung nahe lag. Du bist ausgezogen, hast dich im asiatischen Raum angesiedelt. Dort, wo deine Mitarbeiterinnen nicht viel Geld verlangen, du um die Differenz mehr bekommst.
Es war dein gutes Recht, doch an die Folgen hättest du denken müssen: Den Verlust deiner Würde. Nun zierst du nur noch die knochigen Beine wasserstoffblonder Mädchen, begleitest sie höchstens ein halbes Jahr, bis zum nächsten Trend. Solche »Affären« hätte es bei uns nicht gegeben. Was ist nur aus dir geworden, liebes Paar Converse-Schuhe?