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Die langlebige »Eintagsfliege«

Die Plattform Unabhängiger Studierender (PLUS) bei der Gründung 1999

Vor 10 Jahren wurde an der Alpe-Adria-Universität Klagenfurt eine neue studentische Fraktion gegründet: Die PLUS. Wir haben bei Michael Herwirsch, einem der Gründerinnen und Gründer nachgefragt, was sie damals zu diesem Schritt bewegt hat.

PLUS.Punkt: Kommen wir gleich zum Punkt: Was hat euch damals dazu bewegt, die PLUS zu gründen?

Herwirsch: Die damalige ÖH-Führung wurde immer abgehobener, sodass sie am Ende nur mehr für sich selbst sprach, nicht mehr für ihre Mitglieder. Die Arbeit der – überwiegend unabhängigen – Studienvertreterinnen und -vertreter wurde mehr behindert als unterstützt. Anfang 1999 beschlossen daraufhin zahlreiche unabhängige Studienvertreterinnen und Studienvertreter, dieser Entwicklung nicht mehr taten¬los zuzusehen, sondern dem Missbrauch der ÖH für parteipolitische und persönliche Zwecke etwas entgegenzusetzen.

Ohne es damals zu wissen, handelten wir nach dem gleichen »Bottom-Up«-Prinzip: Studentische Anliegen von unten nach oben, also von der Studienrichtungs- bis zur Universitätsebene durchtragen und bestmöglich durchsetzen; und nicht etwaige Befehle – z.B. von Parteizentralen – von oben nach unten weitergeben.

Mit welchen Schwierigkeiten wart ihr am Anfang konfrontiert?

Wie können wir in wenigen Wochen tausenden Studierenden klarmachen, dass diesmal auch eine ernstzunehmende parteiunabhängige Alternative kandidiert? Dazu kam der finanzielle Faktor. Schließlich ist eine Wahlbewegung ganz ohne Geld nicht machbar. Und das hatten wir natürlich nicht. Woher auch? Aber mit den Einnahmen aus einer selbst organisierten Veranstaltung, bei der wir alle mitarbeiteten und auf ein Honorar verzichteten, war zumindest eine »Schmalspur-Wahlwerbung« möglich.

Was waren eure größten Erfolge zu Beginn der Bewegung?

Erstens: Dass unsere Initiative vom Start weg auf sehr positive Resonanz gestoßen ist. Immerhin wurden wir gleich bei unserer ersten Kandidatur zur zweitstärksten Fraktion gewählt.

Zweitens: Dass unsere Plattform trotz minimaler Ressourcen nicht gleich nach wenigen Monaten wieder auseinandergefallen ist. Wir haben weiter für die Anliegen der Studierenden gekämpft und gezeigt, dass unsere Kandidatur keine Eintagsfliege war, sondern nur der erste Schritt eines langen Weges, die Studienbedingungen an der Uni Klagenfurt dauerhaft zu verbessern und die ÖH aus der Umklammerung der Parteifraktionen zu lösen.

Drittens: Dass die PLUS bereits nach zwei Jahren den Vorsitz in der ÖH Klagenfurt stellte und dadurch wichtige Anliegen umsetzen konnte – etwa die Semesterkarte und ÖH-Menücard, die Öffnung der ÖH gegenüber den Studierenden samt einer verbesserten und kontinuierlichen Informationsarbeit…

Was unterscheidet die PLUS eigentlich von anderen Fraktionen? Was macht sie besonders?

Während die parteinahen Fraktionen von ihrer jeweiligen Mutterpartei in irgendeiner Form abhängig sind (ideologisch und/oder finanziell), muss die PLUS keine Rücksicht auf Parteizentralen nehmen, sondern kann selbstbestimmt und unabhängig agieren. Deshalb kann sich die PLUS zu 100 Prozent auf die bestmögliche Vertretung studentischer Interessen konzentrieren.

Je stärker die PLUS von den Studierenden unterstützt wird, desto besser kann sie in der ÖH dafür sorgen, dass studentische Interessen klaren Vorrang vor parteipolitischen Selbstinszenierungen haben.

Worin siehst du die größten Probleme der Studierenden derzeit?

Die Situation am Arbeitsmarkt wird nicht leichter, der Druck gut und schnell zu studieren immer größer. Die ÖH kann und soll hier so gut wie möglich helfen, die größten Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
Trotzdem hoffe ich, dass die heutige Generation von Studienanfängerinnen und -anfängern ihre Studienwahl nicht nur nach den potentiellen Jobaussichten sondern primär an ihren eigenen Interessen und Fähigkeiten ausrichtet; weil wie der Arbeitsmarkt in mehreren Jahren ausschaut ist nicht seriös abschätzbar.

Gibt es etwas, was du die PLUS betreffend rückblickend anders machen würdest?

Im Nachhinein weiß man immer mehr und ich würde manche Situation vielleicht etwas anders angehen, aber von den großen Entscheidungen in der Gründungszeit bereue ich keine einzige. Ich habe im Laufe meiner Studienzeit objektiv betrachtet wahrscheinlich etwas zu viel Zeit in Studierendenvertretung investiert, aber ich konnte dabei viele wertvolle Erfahrungen sammeln, die ich sonst nicht hätte. Was ich wirklich anders machen würde? Wir hätten die PLUS schon früher gründen sollen ;-) Aber die Zeit dafür war wohl erst im Sommersemester 1999 reif.

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