Navigationselemente überspringen…
Während die blütenweiße beachvolleyballsandige Eventsauce an den Ufern des Wörthersees immer höher schwappt tut sich auch für jene die dieses Schauspiel mit wachsendem Eckel verfolgen wieder was auf dem Partysektor. Nach langem hin und her darf das ((stereo)) wieder aufsperren. Somit wird’s auch für die Alternativszene endlich sommerlich. Wie es dazu kam lest ihr hier in unserem kleinen Wetterbericht.
Bedingt durch die politische und mediale Wetterlage im Großraum Klagenfurt war schon seit langem nur vereinzelt mit alternativen Hochdruckgebieten zu rechnen. Wechselnd bis stark bewölkt, wirkte der Himmel über dem Brachland der Musikszene in der eigentlich sonnigsten Landeshauptstadt Österreichs. Nur im so genannten Underground kam manchmal die Sonne durch. Etwa in der Mellow Lounge in der seit zehn Jahren DJs aus aller Welt auflegten, im Kult, dass, in Zusammenarbeit mit der Krebshilfe, seit fünf Jahren jungen Kulturschaffenden eine Plattform bot, oder im Homini, dem Treffpunkt der Queer-Szene. Ansonsten trübe Aussichten unterbrochen von einigen Konzerten im Pankraz oder Kamot. Doch dann …
… kam es endlich zum Frühlingserwachen! Ein junges, szeneerfahrenes Team um Marina-Anna Virgolini und Marco Marino fegte mit Idealismus, unternehmerischem Können und einer Menge Mut wie ein Wirbelwind durch die Alternativszene. Das ((stereo)) eröffnete am Viktringer Ring als eigenfinanzierter Club und unabhängiges Veranstaltungszentrum. Plötzlich tauchte Klagenfurt im Tourplan von Bands wie Bauchklang, Tomte, Atwenger oder Mediengruppe Telekommander auf, der etablierte deutsche Band-Contest »local heroes« pushte die Kärntner Bandszene und internationale Top-DJs gaben der vernachlässigten Elektronikszene neue Vibes und Grooves. Publikum, Presse und Politik sonnten sich im Erfolg des ((stereo)) während die Klagenfurter Musikszene keimte, wuchs und geradezu aufblühte. Doch dann …
… als andern Orts der Carinthische Sommer eröffnet wurde, kam es im alternativen Klagenfurt zum Wintereinbruch. Das Stereo musste aus heiterem Himmel schließen. Die Wetterlage war unerwartet umgeschlagen, Sturm zog auf. gebuchten DJs und Bands musste abgesagt werden und viel Geld ging verloren. Dann wurde ein Betriebsanlagengenehmigungsverfahren eröffnet, und der gesamte Club auf Herz und Nieren geprüft. Das Verfahren zog sich in die Länge und die weiterlaufenden Fixkosten belasteten den geschlossenen Club schwer. »Uns wurde eine Entscheidung bis Ende Juni zugesagt, jetzt geht das Verfahren in die siebente Woche. Wir können keine Vorlagen erfüllen, die wir noch nicht kennen und je länger wir warten müssen desto unsicherer wird die finanzielle Zukunft des ((stereo))«, klagt eine zu Recht verärgerte Virgolini Mitte Juli. Auch Kulturstadtrat Albert Gunzer sieht die Verzögerung nicht ein: »Das Verfahren muss schnell vonstatten gehen damit der Unternehmer weiß welche Vorlagen er erfüllen muss! Ich habe mich bereits vor einem Monat im Stadtsenat für eine Beschleunigung stark gemacht, der Bürgermeister hat das Gewerbeamt angewiesen, passiert ist aber nichts!«. Gleichzeitig ging dieses Amt gegen Vereinslokale wie Mellow Lounge, Kult und Homini vor, bis diese ebenfalls schließen mussten. Woher der Wind wehte der diese Sturmfront brachte und warum gerade jetzt können selbst versierte Kulturmeteorologen nicht erklären. Übrig bleibt das alternative Publikum, das vor verschlossenen Türen, in den Trümmern seiner Szene steht. Und jetzt …
… klart es allmählich wieder auf. Die Mellow Lounge startet einen letzten Versuch Anfang September und das vielgeliebte ((stereo)) feiert am 11. August seine große »Welcome-back Party: IndieCity« Wer dabei sein will, den erwartet »ein qualitativer Mix zwischen indie-alternative classics, groovy dance items und cutting-edge Gitarren Sound« für nur EUR 2,– (Studierende). Also wahrlich sonnige Aussichten für den letzten Rest vom Partysommer!
Nähere Infos: www.stereoclub.at (externe Website).