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Wenn die Welt ruft, hat die Stadt Sendepause. Eine Semester im Ausland – da wo man hin will, da wo man hingehört. Oder eben auch nicht. Seinen Platz in der Welt findet man nur im Ausschlussverfahren. Demnach: Rein ins Vergnügen.
Wenn man erst einmal im Zimmer seines bescheidenen Studierendenheimes sitzt und »Austria Drei« hört, hat man ihn erreicht, den Point of no Return. Ich. In Dijon/Frankreich. Allein. Umgeben von Senf. Und viel Lärm. Die Türen knallen, französische Studienanfängerinnen und -anfänger machen sich den Spaß und feiern die Nächte durch. Schlichte Eleganz wohin man blickt. Wenigstens hat man eine Putzfrau, die klassische Concièrge, die zumindest so tut, als würde sie arbeiten. Stress haben sie halt keinen, in Frankreich.
Aber was weiß man schon von Frankreich? Abgesehen von Carla Bruni, die regelmäßig Alben über Sein und Schein mit ihrem »Sarko« veröffentlicht, gibt die frankogermanische Berichterstattung wenig her. Klischees existieren en masse, bestätigen lassen sich viele. Denn: Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Baguette gegessen und noch nie so viele Menschen begeistert über Froschschenkel sprechen gehört. Franzosen lieben Käse, Wein und schöne Frauen. Und die französischen Frauen sind die schönsten der Welt.
Aber eben nicht alle. Und das ist auch gut so. Wenn man also das Erasmus-Programm wählt, um sich in der Welt umzusehen, hat man es nicht leicht: Außer Finnen, Italienerinnen, Spaniern, Bulgarinnen und Engländern lernt man selten jemanden kennen. Wer einen Erasmus-Aufenthalt zur Verbesserung des Wortschatzes anstrebt, muss sich ganz schön ins Zeug legen. Französinnen und Franzosen, vor allem die aus Dijon, zieren sich und geben von ihrer wertvollen Muttersprache nur wenig her. Man muss sie auf der Straße anquatschen, sich anbiedern und Telefonnummern aufdrängen. Es ist eben doch, wie es mein Französisch-Prof so schön ausdrückt, »ein Privileg, Franzose zu sein«. Und Privilegien muss man sich bekanntlich verdienen. Trotz allem: Frankreich ist mein Schicksal.
Auch wenn es heißt, Kompromisse einzugehen, weil der französische Lebensstil so ganz anders ist als alles, das ich bis jetzt erlebt habe. Frankreich ist das Land der Träume. Die Sprache, die Menschen, die Sturheit. Die Starrheit. Die Kompliziertheit. Die Korrektheit. Die Schönheit. Einfach alles. Im Straßencafé den Menschen zusehen, eine »petit crème« trinken und es fühlen, das Glück. Das Ausschlussverfahren hat einen dahin geführt, wo man hin will. Dahin, wo man hingehört. Sein Platz in der Welt. Und wenn man sich in seine Stadt verliebt hat, dann ist es auch nicht mehr die Ungewissheit, die einen plagt. Denn dann ist man angekommen. Zuhause bei Freunden.