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Die PLUS zeigt euch was der ORF nicht zeigen will/darf/kann. »Tag für Tag ein Boulevardstück,« eine kritische Dokumentation über die Kronen Zeitung wurde noch nie im gebührenpflichtigen, öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit Bildungsauftrag gesendet. Dafür bekamen ihn im Hörsaal 4 etwa 150 Studierende zu sehen und anschließend eine Diskussion geboten.
3,8 Millionen, also fast jeder zweite Österreicher und jede zweite Österreicherin, lesen die Krone. Das ist einzigartig in der Medienwelt, und macht sie, bezogen auf die Einwohnerzahl, zur meistgelesenen Zeitung der Welt. Angela Merkel liest die FAZ zum Frühstück, Tony Blair die Times, unsere Politiker schlagen die Krone auf um zu erfahren was Österreich denkt. Auch das gibt’s nur in Österreich.
Und die Krone ist die einzige Zeitung in der ein Toter eine tägliche Kolumne hat, Kräuterpfarrer Weidinger verstarb 2004. Gott hab in selig. Apropos Gott: Hans Dichand (85), hat die Krone immer noch fest im Griff. Sein Erfolgsrezept: »Dem Leser eine halbe Nasenlänge voraus sein, nicht mehr«. Also keine Konkurrenz für Pinocchio. Gott sei dank. Ach ja, Gott. Auch Ex-Bischof Krenn (70) und Koller-Ehemann Zilk (84) zieren die Seiten der Krone. Zwar nicht so sehr wie »die Nackte« auf Seite 7, aber immerhin noch mehr als der recht(s)schaffende Schüttelreimer Wolf Martin (auch alt). Letzterer hat übrigens, neben anderer »guter deutscher« Literatur, sämtliche Hitlerreden in seiner Bibliothek. Wahrscheinlich schreibt er deshalb gern mal ein Geburtstagsgedicht für den »Führer«. Auf die Presseratsurteile wegen Antisemitismus, Ausländerhetze und Vorverurteilung pfeift die Kroneredaktion ohne dies. Keine Zeitung wurde öfter verurteilt, kein Urteil hatte jemals Konsequenzen. Auch dies einzigartig in der Medienwelt.
Der Film, der bisher nur auf ARTE und ATV zu sehen war (woraufhin die Krone ARTE prompt aus ihrem Fernsehprogramm verbannte) barg jede Menge Diskussionsstoff. Also moderierte Franziska Weder im Anschluss ein Gespräch zwischen dem Vorstand des Instituts für Medien- und Kommunikationswissenschaft Matthias Karmasin, Josef Schneeweiß (Der Standard) und Gerald Passegger (ehem. Pressesprecher). Letzterer meinte: »I find die Krone hat a klare Meinung, die anderen sind scheinheilig, Meinung ist interessanter als Objektivität,« er als PR-Mann begrüße eine Zeitung, in der man eine klare Meinung platzieren könne. Qualitätsjournalist Schneeweiß prangerte gerade diese Meinungsmache der Krone, anhand von Beispielen wie dem Fall Omofuma an, »Qualitätsjournalismus trennt klar zwischen Information und Meinung, die Krone tut dies nicht – im Gegenteil«. Für wirklich skandalös hält Karmasin, dass die Krone den Ehrenkodex der Journalisten mit Füßen trete und die Urteile des Presserates nicht umsetze. Dass der ORF den Krone-Film boykotiert führt Karmasin auf eine Überschätzung der Krone-Macht und vorauseilenden Gehorsam zurück. »Die Krone hat nicht die Macht die politische Meinung zu beeinflussen, sonst wäre ja die schwarz/blaue Regierung mit Kanzler Schüssel niemals wiedergewählt worden.« Die Diskussionsrunde stellte sich anschließend noch zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Am Ende der Fragestunde gibt sich Karmasin zuversichtlich: »Es lohnt sich, nicht die Hoffnung aufzugeben, schließlich wird ja kana zwungan die Krone zu lesen.« In diesem Sinne: Lest weiter ungezwungen im PLUS.Punkt.