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»Ich halte mich nicht für den Messias«

Der PLUS.Punkt bat den seit Anfang Juli amtierenden parteiunabhängigen ÖH-Bundesvorsitzenden Hartwig Brandl (FLÖ) in Wien zum Interview.

Hartwig Brandl

PLUS.Punkt: Du bist in Graz geboren und studierst seit 2002 in Graz Telematik. Im Juni bist du zum Vorsitzenden der ÖH-Bundesvertretung gewählt worden. Wie hat sich dein Leben seither verändert?

Hartwig Brandl: Mein Leben hat sich insofern verändert, als dass ich von Graz relativ bald nach Wien gezogen bin, inzwischen auch in einer Zweier-WG wohne. Ich verbringe 40 bis 60 Stunden in der Woche auf der ÖH. Schön langsam habe ich auch Wien schätzen gelernt, wobei es mir in Graz immer noch besser gefällt.


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Peter Putzer
PROGRESS-Redaktion (ÖH-Bundesvertretung)

Das Studium leidet natürlich ein bißchen. Mir fehlen jetzt noch ein paar Prüfungen auf das Bakkalaureat. Die plane ich möglichst bald, noch während meiner Vorsitzzeit, abzuschließen.

Jetzt freue ich mich auf den Oktober, weil ich auch einmal das Wiener Studierendenleben kennenlernen möchte. Und möglichst bald muss ich auch einmal zum StudyClub nach Klagenfurt kommen!

Die nächste Gelegenheit wäre am Freitag.

Das könnte sich ausgehen, als Zwischenstopp. Am Samstag bin ich in Innsbruck.

»Die Presse« hat dich für ihre Uni-Beilage mit Heiligenschein abgebildet und »die neue Hoffnung der Studenten« genannt. Hast du etwas Messianisches an dir?

Ich persönlich mag die Vergleiche mit Jesus nicht. Das ist ein großer Medien-Hype, auf den ich nicht besonders stolz bin. Ich versuche das Beste für die Studierenden zu erreichen, aber nicht deswegen, weil ich mich für einen Messias halte.

Gleich zu Amtsantritt wurdest du mit massiver Kritik seitens der Opposition bedacht: von »Schmierentheater« und einer »Koalition der Wahlverlierer« war da die Rede.

Wir haben in unserer Dreierkoalition wieviel Mandate, 40 von 67? Ich sehe es eher als eine Koalition der Vielfalt. Es ist aber verständlich, dass die AG nach der Wahl unzufrieden mit dem Ergebnis war. Zum Glück hat sich das Verhältnis mittlerweile normalisiert.

Medial wird die neue Konstellation vielfach als Fortsetzung der seit 2001 bestehenden »linken Koalition« wahrgenommen. Was wird anders durch die Beteiligung der FLÖ?

Es hat sich bereits einiges geändert, vor allem innerhalb der ÖH. Wir arbeiten mit allen 21 Universitätsvertretungen sehr gut zusammen. Egal, ob die Vorsitzenden von FLÖ, AktionsGemeinschaft, GRAS oder VSStÖ kommen. Ich glaube, dass die ÖH dadurch gestärkt agieren kann und gegenüber der Politik wesentlich durchsetzungsfähiger sein wird.

Ein Kritikpunkt an früheren BV-Exekutiven war ja immer die fehlende Abstimmung und Zusammenarbeit mit den lokalen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaften. Ist in diese Richtung bereits etwas geschehen?

Es gab eine erste Vorsitzendenkonferenz der Universitätsvertretungen, die ich gleich Ende August einberufen habe. Dort haben wir unser weiteres Vorgehen für das nächste Semester abgestimmt.

Als erstes großes Projekt schaffen wir alle gemeinsam einen bildungspolitischen Pressepiegel an. Außerdem haben wir einen StudierendenvertreterInnenkongress ( Hartwigs Binnen-I ist hörbar) geplant, der Mitte November stattfinden wird.

Die starke Wienlastigkeit ist ja immer wieder kritisiert worden …

Von unseren zwölf MitarbeiterInnen auf der Bundesvertretung kommen vier aus Graz, zwei aus Klagenfurt, einer aus Leoben und einer aus Linz. Im Unterschied zu anderen Fraktionen sind vier der zwölf ehemalige Vorsitzende oder stellvertretende Vorsitzende. Und alle bringen Studienvertretungserfahrung mit.

Ein aktuelles Thema, das auch Klagenfurt betrifft: Die Zugangsbeschränkungen in BWL, Publizistik und Psychologie wurden trotz gegenteiliger Ankündigung verlängert.

Aus meiner Sicht war es nicht notwendig, die Zugangsbeschränkungen zu verlängern. Die Begründung, dass durch die doppelten Abiturjahrgänge in Deutschland nun überraschend ein Ansturm zu erwarten sei, ist fadenscheinig. Das war ja schon lange bekannt.

Es muss in Zukunft gleich im Vorfeld, in der Schule durch umfassende Beratung (und nicht Werbung!) dafür gesorgt werden, dass ein Studium mit den richtigen Erwartungen begonnen wird.

Wie weit unterscheidet sich das von den »Studiencheckern«, die der Minister einführen will?

»Studienchecker« können unter Umständen ein Teil des Ganzen sein, aber sie sind sicher nicht ausreichend. Bereits am Beginn der Oberstufe, spätestens in der sechsten, siebten Klasse, muss es umfassende Beratung geben. Die angehenden Studierenden müssen vor allem auf die »kleinen« Fächer aufmerksam gemacht werden.

Zum Abschluß: Hast du eine Botschaft an die Klagenfurter Studierenden?

»Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es ist nur deine Schuld, wenn sie so bleibt,« singen »Die Ärzte«. Und ich wünsche euch viel Erfolg bei der Verhinderung der Parkplatzgebühren.

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