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Buchkritik: James Fray »A million little pieces«

Foto: jazza/stock.xchng

Tausend kleine Teilchen – »A million little pieces«

Er braucht Drogen aller Art um zu Überleben. Eines Tages wacht James in einem Flugzeug auf – wie er dort hingekommen ist, weiß er nicht mehr.

»A million little pieces« ist keine Autobiografie im klassischen Sinn, vielmehr sind es die Gedanken eines Mannes, der auf einen Teil seines Lebens zurückblickt: Den Teil, wo er in einer Entzugsklinik versucht, von all dem loszukommen, was ihn jahrelang in Besitz und ihm sein Leben genommen hat.


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Verena Widl
Verena Widl
PLUS.Punkt-Redakteurin

Dieses Zurückblicken eines »geheilten« Mannes auf ihn als 23-jähriges Wrack ist auch manchmal spürbar. James Frey beschreibt es in seinem Vorwort so: » My mistake, and it is one I deeply regret, is writing about the person I created in my mind to help me cope, and not the person who went through the experience.«

Nichtsdestotrotz hat die Leserin oder der Leser (zumindest ging es mir so) das Gefühl, neben ihm herzugehen. Man begleitet ihn auf der Fahrt in die Klinik; spürt die Schmetterlinge im Bauch wenn er Lilly – die zarte Frau mit den wasserblauen Augen – sieht; spürt das Unbehagen, wenn er seine Eltern zur Familiensitzung trifft; leidet mit ihm, wenn er sich vor Schmerzen windet. Entscheidend für dieses »Mitleben« und Eintauchen in seine Welt, ist vor allem Freys Schreibtechnik. Seine Sätze bestehen auch nicht immer aus Subjekt, Objekt, Prädikat. Oft sind es nur zwei oder drei Worte, oder: eines. Oft wiederholt er mehrere Worte einfach. Wer sich vor Kraftausdrücken in Büchern scheut, kann entweder jedes fünfte Wort überspringen oder einfach akzeptieren, dass sie Teil des Buches und des Milieus sind, und die Geschichte dadurch authentischer wird.

Im Vorwort erklärt der Autor, dass er mit diesem Buch Leben verändern und beschreiben will, wie schwierig der Kampf gegen die Sucht ist. Und auch wenn nach Erscheinen des Buches Zweifel an der Authentizität aufgetaucht sind: Mein Leben hat er nicht verändert, aber er hat mich in das Leben, wenn nicht sogar die Seele, eines Abhängigen blicken lassen – und mir damit ein außergewöhnliches Leseerlebnis geschenkt.

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