Navigationselemente überspringen…
Startseite > Plattform > Archiv > Ziele 2009 > Studienbedingungen und Bildungspolitik >
Da sich die Plattform Unabhängiger Studierender (PLUS) dem Ideal der Chancengleichheit für alle verpflichtet fühlt, lehnen wir Zulassungsbeschränkungen jeder Art entschieden ab. Das betrifft sowohl Zugangsvoraussetzungen im herkömmlichen Sinn, als auch finanzielle Barrieren in Form von Studiengebühren.
Auswahlverfahren auf Grund der Notenverteilung im Maturazeugnis (auch bekannt als numerus clausus) spiegeln in unseren Augen nicht die Eignung von Studierenden für bestimmte Studien wieder. Auch Wissenstests zu Beginn des Studiums sind nicht zu befürworten, da sich Studierende ihre Fähigkeiten im Lauf des Studiums aneignen sollen und nicht verlangt werden kann, dass studienspezifische Vorbildung von den Mittelschulen mitgebracht wird. Interviews, um die persönliche Eignung der Studierenden zu ergründen, wie sie auf Fachhochschulen größtenteils üblich sind, sind eine viel zu subjektive Art der Auswahl. Außerdem ist zu erwarten, dass sich die Persönlichkeit eines Studierenden im Laufe seines Studiums weiterentwickelt.
Knock-out-Prüfungen sind für uns eine der schlimmsten Formen von Auswahlverfahren, da viele Studierende die Absolvierung der Prüfungen aufschieben oder mehrmals antreten. Wenn sie die Prüfung dann nicht schaffen, ist die Studiendauer bereits zu lange, um einen Studienwechsel ohne Verlust der Beihilfen realisieren zu können.
Finanzielle Zugangserschwernisse, wie beispielsweise Studiengebühren, tragen dazu bei, sozial schlechter gestellten Schichten, unabhängig von ihrer Begabung den Zugang zur Hochschulbildung zu erschweren oder überhaupt zu verwehren. Dies läuft klar dem von der PLUS angestrebten Ideal der Chancengleichheit zuwider. Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass für Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger die gleichen Voraussetzungen wie für inländische Studierende und solche aus EU-Staaten gelten sollen, sowohl was Zulassungsvoraussetzungen anlangt, als auch bezüglich der Höhe der – unserer Meinung nach generell abzuschaffenden – Studiengebühren.
Unserer Meinung nach sollte eine bessere Verteilung der Studierenden auf die einzelnen Studienrichtungen nicht mittels Aufnahmebeschränkungen erfolgen. Eine von der OECD 2004 durchgeführte Studie kritisiert, dass zu wenige Ressourcen zur Verfügung gestellt werden und dass die Ausbildung der Bildungsberaterinnen und -berater an den Schulen nicht ausreichend ist. Bei einer Umfrage des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung gaben 42 Prozent der befragten Studierenden an, sich vor Studienbeginn schlecht informiert gefühlt zu haben. Eine qualitativ bessere Bildungsberatung an den Mittelschulen könnte den Bildungshorizont der Schülerinnen und Schüler erweitern und ihnen auch Alternativen zu den allgemein bekannten (Aus-)Bildungsrichtungen eröffnen.
Wir sind der Ansicht, dass die Republik Österreich verpflichtet ist, ihren Bürgerinnen und Bürgern ausreichende Bildungsmöglichkeiten der von ihnen gewünschten Richtung zu Verfügung zu stellen. Wenn die Universitäten ausgehungert werden (der Anteil des Universitätsbudgets am Gesamtbudget sank von 1999 bis 2004 von 4,2 Prozent auf 3,86 Prozent), wirkt das Bemühen um eine Erhöhung der mit 9 Prozent im internationalen Vergleich sehr niedrigen Akademikerquote nicht sehr glaubwürdig. In diesem Sinne sollte der Diskrepanz zwischen Studierendenzahlen und vorhandenen Kapazitäten nicht durch Reduktion der Studierendenzahlen, sondern durch Investitionen in das Bildungswesen (und damit in die Zukunft Österreichs!) entgegengewirkt werden.